Ehrung für Franz Künstler

Geschichte: Personen A-K

Ehrung für Franz Künstler

SPD-Schatzmeisterin Barbara Hendricks und Der Berliner SPD Landesvorsitzende Michael Müller enthüllen Fotos von Franz Künstler.

SPD-Schatzmeisterin Barbara Hendricks und der Berliner SPD Landesvorsitzende Michael Müller enthüllen Fotos von Franz Künstler. Foto: Horb

 

Mit einer feierlichen Namensgebung wurde am 26. Mai 2008 im Kurt-Schumacher-Haus, dem Sitz des Berliner SPD-Landesverbandes, an den früheren Vorsitzenden der SPD Groß-Berlins erinnert: Aus dem Sitzungssaal 2 wurde der „Franz-Künstler-Saal“.

 

SPD-Schatzmeisterin Barbara Hendricks und Hans-Rainer Sandvoss, Mitglied der Historischen Kommission der Berliner SPD.

Rainer Sandvoss rief in seiner Rede das Wirken Franz Künstler, des letzten Berliner SPD-Vorsitzenden vor dem Verbot 1933, in Erinnerung. Der gelernte Maschinenschlosser gehörte schon 1904 zu den Mitbegründern des "Vereins der Lehrlinge und jugendlichen Arbeiter Berlins". 1907 trat er in die SPD ein, 1924 wurde er Vorsitzender des SPD-Bezirksverbandes Groß-Berlin. Bis 1933 gelang es ihm, die Zahl der SPD-Mitglieder von 34.000 auf 80.000 zu erhöhen.

Franz Künstler gehörte am 23. März 1933 zu den noch verbliebenen 94 mutigen sozialdemokratischen Abgeordneten, die gegen das Ermächtigungsgesetz der Nationalsozialisten stimmten. Nach dem Parteiverbot der SPD am 22. Juni wurde er von der Gestapo verhaftet, im Polizeigefängnis am Alexanderplatz sowie in Spandau gefangen gehalten und am 9. August 1933 in das KZ Oranienburg eingeliefert. Ende August 1934 wurde er – inzwischen als Folge der Haftbedingungen schwer erkrankt – aus dem KZ Lichtenburg entlassen.
Nun unterstand er der Beobachtung durch die Gestapo. Gleichwohl gelang es besonders ihm, für den Zusammenhalt der Sozialdemokraten in Berlin zu sorgen. 1938 wurde er erneut vier Monate inhaftiert. Inzwischen schwer herzkrank musste er bei Kriegsbeginn „dienstverpflichtet“ im Tempelhofer Hafen schwere Lasten tragen.
Am 10. September 1942 starb Franz Künstler auf dem Weg zu seinem Arzt an den Folgen eines Herzanfalls. Bei der Trauerfeier im Baumschulenweg gaben mehr als 1000 Menschen – als stumme Massenkundgebung mitten im Krieg und angesichts zunehmender Verfolgung - dem langjährigen Berliner SPD-Vorsitzenden das letzte Geleit.

An der feierlichen Namensgebung des Sitzungssaals nahm am 26. Mai neben dem SPD-Vorsitzenden Michael Müller auch die Schatzmeisterin der SPD Barbara Hendricks teil. Sie machte in ihrer Rede die Bedeutung der SPD-Häuser für die Partei deutlich.

"Auch unser Berliner Haus steht in der Tradition der sozialdemokratischen Volks- und Parteihäuser", sagte Barbara Hendricks. "Ihr Vorbild lieferte die Sozialistische Partei Belgiens. 1895 gelang es ihr, das erste „Maison du Peuple“ (Volkshaus) nach dem Entwurf des bedeutenden Jugendstilarchitekten Victor Horta zu errichten. Es war ein Stück Gegenkultur, die hier ihren Platz findet."

Heute stehe die SPD in der Mitte der Gesellschaft, so die SPD-Schatzmeisterin. Es gebe gleichwohl genügend Gründe an die Geschichte der SPD zu erinnern.  Barbara Hendricks: "Unsere Mitglieder sind für ihren Kampf um die Demokratie und ihre Werte verfolgt, eingesperrt, gefoltert und nicht selten getötet worden. Wir haben als Einzige gegen die Ermächtigungsgesetze gestimmt, mit denen die Nationalsozialisten mit zustimmender Billigung der bürgerlichen, konservativen Parteien die Demokratie außer Kraft setzten, um in der Folge ihren Terror gegen uns, das land und in ganz Europa ungestört zu entfalten. Es ist deshalb gut, wenn unsere Häuser und Foren an diese Schreckensherrschaft erinnern und wir heute mit der Saalbenennung an Franz-Künstler, den großen Sozialdemokraten, erinnern."