Diederich, Wilhelmine

Geschichte: Personen A-K

Wilhelmine Diederich

geb. Bösking ist am 6.6.1887 in Barver/Dipold geboren worden und am 4.4.1969 in Berlin gestorben. Sie hat als Stubenmädchen und Fürsorgerin gearbeitet.
Wilhelmine Diederich ist vor 1933 in die SPD eingetreten. Nach dem Krieg 1945 arbeitete sie als Leiterin des Jugend- und Sozialdezernates zunächst in Friedenau. Nach der Angliederung dieses Bezirkes an Schöneberg wurde sie dort Referentin für Jugend. Von 1948 bis 1951 war sie Landesdelegierte der AWO. Von 1951 bis Anfang der 60er Jahre amtierte sie als Kreisvorsitzende der AWO. Bis 1958 arbeitete Wilhelmine Diederich als Mitglied im Fachausschuss Jugend beim SPD-Landesvorstand mit.

Mina wuchs in einem sozialdemokratischen Elternhaus in Bremen auf. Dort lernte sie um die Jahrhundertwende den damaligen Chefredakteur der sozialdemokratischen „Bremer Bürgerzeitung“, den Dichter Franz Diederich, ihren späteren Ehemann, kennen. Er spielte eine wichtige Rolle bei der Konsolidierung der Bremer SPD und zählte zu den Förderern Friedrich Eberts in der Hansestadt.
Mina und Franz Diederich zogen nach Dresden, wo sie in regen Austausch mit zahlreichen Vertretern aus Kunst und Literatur traten.
1913 zog das Ehepaar nach Berlin-Friedenau. Hier arbeitete ihr Mann beim Vorwärts. Während des ersten Weltkrieges war es für das Paar finanziell nicht leicht ihre fünf Kinder, die sie inzwischen bekommen hatten, und sich selbst zu kleiden und zu ernähren.
1918/19 saß Mina im Arbeiter- und Soldatenrat. Sie gehörte zu den Mitbegründerinnen der AWO und leitete die AWO Schöneberg-Friedenau bis 1933.
Als 1921 innerhalb weniger Monate, vermutlich in Folge der Mangelernährung, eine Tochter und ihr Mann starb, machte Mina eine Ausbildung zur Fürsorgerin und arbeitete in der Familienfürsorge, um ihre Familie ernähren zu können.
Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten 1933 wurde Mina für eine kurze Zeit verhaftet. Ihr Sohn Ludwig arbeitete nach 1933 als ehemaliger Berliner SAJ-Vorsitzender in der Berliner Gruppe „Deutsche Volksfront“ mit. Diese Gruppe unterhielt enge Beziehungen zu der reichsweit agierenden linkssozialdemokratischen Widerstandsorganisation „Neu Beginnen“. Er wurde 1938 verhaftet. Zu dieser Zeit lebte der zweite Sohn von Wilhelmine Diederich schon in Holland.
Nach der Neugründung der SPD nach Beendigung des Krieges nahm Mina ihre politische Arbeit wieder auf. Zunächst war sie am Aufbau des bezirklichen Jugendderzernates erst in Friedenau, dann in Schöneberg, beteiligt und bekleidete die entsprechenden parteipolitischen Aufgaben. Sie übernahm wieder die Leitung der AWO in Schöneberg und die Leitung des Jugenderholungswerkes. Mina Diederich wurde zu einer der zentralen Persönlichkeiten in der SPD- Jugendpolitik.
Wie auch ihre nicht reibungslos verlaufende Wahl zur Bezirksrätin zeigt, handelte es sich bei ihr um eine offene, eigenwillige und deshalb nicht unumstrittene aber dafür interessante politische Aktivistin der SPD.


Karin Müller

Quelle: Bettina Michalski, „Louise Schroeders Schwestern“, Bonn 1996, S. 98-99.