Aktuelles aus dem Fachausschuss

Der Fachausschuss Wirtschaft, Arbeit, Technologie (VII) der SPD Berlin lädt ein:

Diskussion am 14.11.2018: Plattformökonomie mit sozialer Verantwortung – Gegenentwurf zu Amazon, ebay & CO?

Plattformökonomie mit sozialer Verantwortung – Gegenentwurf zu Amazon, ebay & CO?

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Mittwoch, 14.11.2018, Beginn 19 Uhr
Kurt-Schumacher-Haus, Landesverband der SPD Berlin
Erika-Heß-Saal, 1. Etage
Müllerstr. 163 (S- und U-Bahnhof Wedding)
13353 Berlin-Wedding

 

Hintergrund

In der Internet-Ökonomie entwickeln sich mit rasanter Geschwindigkeit neue Angebots- und Vertriebsformen für Güter und Dienstleistungen. Sie haben längst nationale Grenzen gesprengt. Clickworker erkaufen häufig ein hohes Maß an Zeitautonomie durch prekäre Abeitsbedingungen und niedrige Vergütung. Plattformbetreiber stehen unter Globalisierungsdruck – je größer der Markt, desto lukrativer das Geschäft, das Internet fördert Konzentration.

  • Wo gibt es in der Internet-Ökonomie Spielräume für lokale oder regionale Netzwerke?
  • Wie können KundInnen und AnbieterInnen, die Wert legen auf gute Arbeitsbedingungen, zueinander finden, ohne auf die technischen Möglichkeiten des Internets zu verzichten?
  • Wie können durch kollektive Zusammenarbeit von ProduzentInnen in der Plattform-Ökonomie Ohnmacht durch Vereinzelung aufgehoben, Prekarität reduziert und soziale Absicherung verbessert werden?
  • Sollte/kann Wirtschaftsförderung Unternehmensgründungen mit nachhaltigen Konzepten – im Hinblick auf Ökonomie, Ökologie und soziale Verantwortung – bevorzugen, auch im europäischen Rahmen?
  • Ist die Beratungsinfrastruktur für solche Gründungen hinreichend ausgebaut?


Anknüpfend an die Impuls-Veranstaltung mit Andrea Nahles “Von der Sharing Economy zum Platform-Kooperativismus” am 23. August 2018 im Willy-Brandt-Haus und die Debatte um “Transnational Collective Action” anlässlich der Labor.A der Hans-Böckler-Stiftung am 13.September im Café Moskau wollen wir diese Fragen mit KennerInnen der Internet-Ökonomie diskutieren:


Claudia Henke, rethink coop und h3-O
Markus Sauerhammer, 1. Vorsitzender des Social Entrepreneurship Netzwerk Deutschland e.V. - SEND
Dr. Andreas Splanemann, ver.di-Landesbezirk Berlin-Brandenburg

Moderation: Martin A. Ciesielski, Geschäftsführer medienmosaik, Atelier für neue Kommunikationskulturen

 

Die Kunst des Scheiterns und Wiederaufstehens

Am 12.09.2018 diskutierten wir im Fachauschuss Wirtschaft, Arbeit, technologie unter dem Titel: "Gründlichn gescheitert: Für  eine Kultur der zweiten Chance" über einen Wandel der Fehler-Kultur und der gesellschaftlichen Bewertung des Scheiterns, der Freiraum für neue Ideen und Gründungen zulässt. Für alle, die nicht dabei sein konnten, oder die sich gerne noch einmal daran erinnern, hat Ulrich Horb den Abend zusammengefasst.

 

Die Kunst des Scheiterns und Wiederaufstehens
Über eine „Kultur der zweiten Chance“ diskutierte der Fachausschuss Wirtschaft der Berliner SPD im September.  Das Scheitern von Geschäftsideen  gehört zum Alltag, gerade auch in der Startup-Szene.  Die Erfahrung des  Scheiterns kann Gründern bei neuen Projekten helfen. Und ein kritischer Blick auf die Ursachen hilft auch anderen Gründern.

2016 gingen rund 3200 Startups in Deutschland pleite.  Dahinter stehen völlig unterschiedliche Geschichten. Einige davon werden auf den Berliner  „Fuckup Nights“ erzählt, von denen ihr Mitorganisator   Ralf Kemmer, Professor für Kampagnen- und Kommunikationsplanung an der Design Akademie Berlin, berichtete. Die Veranstaltungen, nach mexikanischem  Vorbild inzwischen in etlichen Ländern und vielen Städten fest verankert, geben jedes Mal einer Handvoll Gründerinnen und Gründern  Gelegenheit, ihre persönliche Geschichte zu erzählen. Mal ist die Idee nicht vollständig ausgereift, mal zeigen sich Banken zu ungeduldig, mal ist die Planung zu optimistisch gewesen. 300 Gäste hören sich im Schnitt die Chronologie des Scheiterns an, Berlin ist eine von 12 deutschen Städten, in denen es das Format gibt.  Es gebe ein Feedback des Publikums, kritische Fragen, so Kemmer. Bei manchen setze erst dann das Nachdenken über die Ursachen ihrer Pleite ein.  Als eine „andere Form der Lehre“ sieht Kemmer die Fuckup Nights. Denn hier gehe es um Praxiserfahrung, die an den Universitäten nicht vermittelt werde. Und es geht Kemmer um die „Entstigmatisierung des Scheiterns“. Auch nach einer Insolvenz müsse es möglich sein, neue Projekte anzupacken.

Es gibt eine Vielzahl von Beratungsangeboten für Gründerinnen und Gründer. LOK.a.Motion ist eines davon. Die Gesellschaft zur Förderung lokaler Entwicklungspotentiale mbH wurde 2004 gegründet. Geschäftsführerin Maria  Kiczka-Halit berichtete über die Arbeit Ihrer Beratungsgesellschaft, die dazu beitragen soll, Scheitern möglichst zu vermeiden.  Die Gesellschaft hilft Gründerinnen und Gründern u.a. aus der Arbeitslosigkeit herauszukommen und die Angebote der Jobcenter zu nutzen. Der Prozess des Unternehmens werde begleitet, es  werde aber auch gefragt, wie die Gründerin oder der Gründer aufgestellt sind.  Frauen, so Maria  Kiczka-Halits Erfahrung, bereiten sich oft besser vor, sie sind nicht so risikobereit, Männer neigen im Gründungsprozess auch einmal dazu, Risiken zu unterschätzen.

Es sind manchmal Kleinigkeiten, an denen Unternehmungen scheitern.  So konnte sich zum Beispiel ein neues Café am Boxhagener Platz nicht behaupten, weil es zwar ein gutes Angebot hatte, das Café aber auf der  Schattenseite des Platzes lag.  Falscher Standort, falsches Finanzierungsmodell, die falsche Strategie zur Kundengewinnung – all das kann zum Scheitern führen. Ein Fehlermanagement sei wichtig, auch bei größeren Unternehmen, so Kemmer. Es gibt auch unverschuldete Insolvenzen, etwa, wenn Kundenzahlungen plötzlich ausbleiben. Und es gibt nach einer Pleite Fragen, denen sich die Unternehmerinnen und Unternehmer stellen müssen, etwa, wie sie mit ihren früheren Geldgebern umgehen sollen.
„Scheitern ist temporär“, sagt Kemmer. Es gehe auch um eine „Geschichte des Aufstehens“. In manchen anderen Ländern sei der Neuanfang leichter.  Zwar nehmen einige der gescheiterten Selbständigen eine Tätigkeit als Angestellte an, um ihre Schulden abzuzahlen, aber nur die wenigsten können sich das auf Dauer vorstellen. Viele entwickeln neue Projekte, die sie mit den gemachten Erfahrungen vielleicht sogar eher zum Erfolg führen könnten. Sie brauchen dazu eine Chance.

Eine zweite Chance dürfe nicht vom Geld abhängen, deshalb sollte das Insolvenzrecht überprüft werden, so lautete eine Überlegung in der Diskussion.  Denkbar wäre auch ein Modell von – notfalls -  verlorenen staatlichen Zuschüssen, um die Innovationsentwicklung zu fördern. Aus der Arbeit mit Geflüchteten ergeben sich weitere Fragen. Manche von ihnen waren im Heimatland lange Jahre selbständig, etwa als Frisör, in Deutschland bekommen sie keine Zulassung, weil ihnen der Meisterbrief fehlt. Hier müsse nach Lösungen gesucht werden.
 

Autor: Ulrich Horb

 

Links:
http://lok-berlin.de/gruenderberatung-unternehmensberatung/lok-a-motion-die-gesellschaft/
http://fuckups.de

 

 

Termine

Termine des Fachausschusses 

 

14.11.2018 im Kurt-Schumacher-Haus , Erika-Heß-Saal 19-21 Uhr

12.12.2018 im Kurt-Schumacher-Haus , Erika-Heß-Saal 19-21 Uhr

 

Termine des Arbeitskreises Kreativwirtschaft/Digitalwirtschaft
 

17.10.2018, entfällt zugunsten der Diskussionsveranstaltung "Digitaler Wandel in traditionellen Berufen"

07.11.2018, Ort folgt

05.12.2018 im Kurt-Schumacher-Haus um 19-21 Uhr

 

Jaresbericht des Fachausschusses Wirtschaft, Technologie, Arbeit 2014-2016

Die Arbeit im Fachausschuss konzentrierte sich 2014-2016 auf die Themenschwerpunkte gute Arbeit sowie die Entwicklung des Wahlprogramms. Hierzu fanden regelmäßig Veranstaltungen statt, organisiert durch die Arbeitsgruppen bzw. durch Vorstandsmitglieder. Neben wichtigen Entscheidungsträgern aus der Partei konnten wir hierzu auch hochrangige VertreterInnen aus den Verbänden und Gewerkschaften für unsere Veranstaltungen gewinnen.

 

Der komplette Jahrebericht 2014-2016 (PDF) (PDF-Dokument, 51.8 KB)

 

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