Hilfreiches Handbuch zur Berliner Kommunalpolitik in 2. Auflage erschienen

Hilfreiches Handbuch zur Berliner Kommunalpolitik in 2. Auflage erschienen

Kommunalpolitisches Lexikon
 

Nun ist es in 2. Auflage heraus: Das „Berliner Kommunalpolitische(s) Lexikon“ als unverzichtbares Handbuch für alle, die in Berlin kommunalpolitisch aktiv sind oder es sein wollen. Mit Dr. Hans-Ulrich Oel, Norbert Przesang und Rainer Thamm haben drei erfahrene „Kommunalos“ den Band ediert. Geholfen haben ihnen bei den rund 500 Einträgen von A wie „Abfallentsorgung“ bis Z wie „Zweitwohnungssteuer“ rund 20 kommunalpolitische Praktikerinnen und Praktiker. Mit 250 Seiten ist der Band handlich geraten und der Preis von 12,95 Euro hat sich für den Bürgerdeputierten oder Bezirksverordneten meist beim zweiten Nachschlagen amortisiert.

Für „mehr als die Hälfte der kommunalpolitisch Aktiven, die keine Urberliner sind“, hat Norbert Przesang auf wenigen Seiten eine „Kleine Kommunal-Geschichte der Stadt Berlin“ voran gestellt. Hier hätte ich mir ein paar Seiten mehr gewünscht – vielleicht auf Kosten der spannenden, aber bekannten Berliner Geschichte des 20. Jahrhunderts. Dann wäre Platz für kommunale Details wie eine Vorstellung der preußischen Magistratsverfassung am Berliner Beispiel, Berlin „Landnahme“ bis 1920 oder für ein paar Zeilen zum kommunalen Berlin in der Diktatur (NS- und SED-Zeit fehlen fast ganz, dabei gab es trotz Gleichschaltung auch Bürgermeister, Magistrate usw.) Etwas Stoff zum politisch-administrativen Komplex der Frontstadt würde helfen, besser zu verstehen, was die Berliner Verwaltung hier und da so schwerfällig macht.

Naturgemäß ist die Qualität und Quantität der Stichworte im umfangreichen lexikalischen Teil (S. 23-236) unterschiedlich. Häufiger wünschte man sich konkrete Beispiele. So könnte man bei „Quartiersmanagement“ an einem der 34 „QM-Gebiete“ erklären, wer da mit viel Geld und Stellen welche Aufgaben wahrnimmt etc. Insgesamt sind viele Beiträge sehr hilfreich, vor allem dank der zahlreichen Querverweise. Manchmal muss man etwas suchen, z.B. findet man die „Abschichtung“ unter „Aufgabenabschichtung“. Hier wäre ein Verweis beim ersten, sehr gebräuchlichen Begriff hilfreich. Ein zugegeben heikles Desiderat hätte der Rezensent noch: Wie wäre es mit Artikeln zu den zentralen kommunalpolitische Positionen der Parteien? Aber auch so sollte jeder angehende oder praktizierende Bürgerdeputierte oder Bezirksverordnete sein „Lexikon“ unter dem Pult haben. Bei dem Auftreten mancher Stadträte möchte man ihnen auch noch eines schenken. Die Autoren aus der SGK Berlin haben jedenfalls ein parteipolitisch weitgehend neutrales Hilfsmittel geschaffen, um das sie „Kommunalos“ anderer Städte und Stadtstaaten beneiden dürften.

Farbige Karten der Bezirke und Ortsteile, eine Liste wichtiger Rechtsvorschriften und eine – sehr knappe - Literaturliste runden den nützlichen Band ab. Zuletzt sei gelobt, dass der nahezu in „Eigenbau“ erarbeitete Band besser redigiert ist als vieles, was große Verlage „verbrechen“. Und die Sprache vermeidet weitgehend jedes ungute Beamtendeutsch, das leider immer noch nicht aus allen Berliner Amtsstuben verschwunden ist. Das Lexikon ist ein gelungenes Beispiel für bürgerschaftliches Engagement, wie der Regierende Bürgermeister in seinem Vorwort schreibt (S. 3), es ist auch eine uneitle Eigenwerbung für die SGK Berlin, die sich durchaus ein Stichwort zu sich selbst leisten sollte – das wäre ganz ok.

Stefan Grönebaum

Hans-Ulrich Oel, Norbert Przesang, Rainer Thamm: Berliner Kommunalpolitisches Lexikon, 2. vollst. überarbeitete und erweiterte Auflage, edition progris, Berlin 2012, 256 S. 12.95 Euro (ISBN 978-3-88777-022-8)