Arndt, Dr. Klaus-Dieter

Geschichte: Personen A-K

Dr. Klaus-Dieter Arndt

* 9. März 1927 in Berlin
† 29. Januar 1974 in Berlin

Trauer um den Freund
Zum Tod von Klaus-Dieter Arndt


Der Tod von Klaus-Dieter Arndt hat uns tief getroffen - uns, die Berliner, und vor allem uns, die Sozialdemokraten in Berlin. Die Nachricht von seinem Tode traf uns am Dienstagabend trotz aller Befürchtungen der vergangenen Tage unerwartet. Beim Tod eines Freundes hilft nicht, dass man seinen Zustand vorher ahnte.
Uns Sozialdemokraten war Klaus-Dieter Arndt vertraut. Er war einer von uns, und er gehörte zu uns.
Es gab wohl in unserer Partei nur wenige, die sich der Kraft seiner Argumentation hätte entziehen können. Sie waren stets durchdacht und in umfassendem Wissen begründet, und sie wurden brillant und eindringlich vorgetragen.
Vor allem aber: es wollte sich gar niemand seinen Argumentationen entziehen. Jeder spürte, wann immer Klaus-Dieter Arndt sprach, dass die ganze Person dahinter stand und auch in entscheidenden Erörterungen oder polemischen Situationen stets Verständnis für die andere Auffassung dabei war. Es steckte auch immer Wärme drin.

Klaus-Dieter Arndt verdiente Respekt wie Sympathie. Er überzeugte durch die intellektuellen Fähigkeiten und die Redlichkeit und die Offenheit, mit denen er vortrug, was er meinte und dachte und wollte.

Klaus-Dieter Arndt war nicht bequem. Fern von Opportunismus zeigt er auf Zustände und Entwicklungen, die er für falsch hielt. Was er in seiner Wissenschaft erarbeitet und erkannt hatte, versuchte er politisch durchzusetzen. Er beließ es nicht bei der Theorie. Ihm ging es darum, das Vernünftige durch das politische Engagement in der Praxis wirksam machen.
Mit uns Berliner Sozialdemokraten trauert die Gesamtpartei. Die Fraktion unserer Partei im Deutschen Bundestag, der Deutsche Bundestag insgesamt hat einen seiner wirklich bedeutenden Wirtschaftspolitiker verloren.
Mit Klaus-Dieter Arndt hat aber vor allem auch Berlin einen Mann verloren, der seine ganze Kraft für das Wohl unserer Stadt einsetzte. Er hat das in vielfacher Hinsicht getan. Er hat es fundierend getan als einer der Väter des Gesetzes zur Förderung der Berliner Wirtschaft. Und sein Wirken als Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung in unserer Stadt hat uns in Berlin geholfen und die wirtschaftspolitische Diskussion in der gesamten Bundesrepublik nachhaltig beeinflusst.
Mit unseren Gedanken sind wir bei seiner Familie, bei deiner Frau und den Kindern. Sie sind am schwersten betroffen. Berlin trauert um einen unersetzlichen Mitbürger, der uns fehlen wird mit seinem Rat und seiner Tat. Wir Sozialdemokraten trauern um einen, viele von uns trauern um einen guten Freund.

Klaus Schütz

Nachruf aus der Berliner Stimme vom 2.Februar 1974