Schnelle Vereinigung

Schnelle Vereinigung

Der West-Berliner Landesverband und der Ost-Berliner Bezirksverband der SPD beschlossen 1990 auf getrennten Parteitagen, die SPD Ost und die SPD West in Berlin zu vereinen, noch bevor dies auf Bundesebene geschieht. Eine Vereinigung auf Bundesebene hätte zur Folge gehabt, dass die in Ost-Berlin am 7. Oktober 1989 gegründete SDP, die sich bereits am 13. Januar 1990 in SPD umbenannte, automatisch an die West-Berliner SPD angeschlossen worden wäre. Neben Verfahrensschwierigkeiten, die weitere getrennte Parteitage mit sich gebracht hätten, fürchtete man in Berlin besonders, dass ein Anschluss der SPD Ost (2000 Mitglieder, 64 Delegierte in 11 Kreisverbänden) an die SPD West (26 000 Mitglieder, 256 Delegierte in 12 Kreisverbänden) den Eindruck erweckt hätte, der Osten würde nur einverleibt und die Aufbauleistungen, die für die Sozialdemokratie in Ost-Berlin geleistet wurden, würden nicht anerkannt. Glaubwürdigkeitsverlust und Mitgliederschwund hätten die Folge sein können. Außerdem wurde angenommen, dass ein Berliner Parteitag vor dem Bundesparteitag viel Aufmerksamkeit bekäme und die SPD-Mitglieder in Berlin stark mobilisieren könnte. Die Mitgliedermobilisierung sollte auch den anstehenden Wahlkämpfen für die Wahl zum ersten gemeinsamen Abgeordnetenhaus von Berlin und die Bundestagswahl im Dezember 1990 zugute kommen. Getrennte SPD-Verbände hätten wohl kaum einen erfolgreichen Wahlkampf mit gemeinsamen Kandidaten durchführen können. Insgesamt sah man in einem demonstrativen, schnellen und gleichberechtigten Zusammenschluss der Berliner SPD die "Möglichkeit zur positiven Selbstdarstellung" und erhoffte sich optimistische Signale für die Zukunft.

Gilbert Dietrich

 

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