Unser Programm für Bildung und Wissenschaft

Unser Programm für Bildung und Wissenschaft

Wir Berliner Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten stehen dafür ein, dass alle Menschen dieser Stadt die Chance haben, ihre Stärken zu entdecken und ihr Potenzial auszuschöpfen. Chancengleichheit bedeutet für uns, dass alle Kinder dieselben Bildungschancen haben, unabhängig davon, woher sie kommen oder in welcher sozialen und finanziellen Lage sich ihre Familie befindet. Kein Kind darf zurück bleiben. Wir bieten allen die Chance auf Bildung, jedoch erwarten wir auch den Willen, diese Chance wahrzunehmen. Die hervorragende Arbeit unserer gut ausgebildeten Erzieherinnen und Erzieher sowie Lehrerinnen und Lehrer ist dafür die wichtigste Grundlage.

In einer Welt, die vielfach durch Konkurrenz und wachsende Ungerechtigkeit bestimmt wird, nehmen die Erziehung zu Toleranz, Demokratieerziehung und politische Bildung einen besonderen Stellenwert ein. Bildung umfasst mehr als das Erlernen von Kulturtechniken. Alle Bildungseinrichtungen Berlins wollen wir so ausstatten, dass alle unsere Kinder und Jugendlichen umfassend auf die Anforderungen der Zukunft vorbereitet werden und sich zu verantwortungsvollen Persönlichkeiten entwickeln können.

Die Berliner SPD setzt in der Kinderbetreuung auf den Dreiklang aus Kita-Ausbau, Qualitätsverbesserung und Gebührenfreiheit. Bildung bleibt in Berlin gebührenfrei: von der Kita bis  zur Hochschule. Dafür haben wir lange gekämpft. Seit 2011 sind die letzten drei Kita-Jahre komplett beitragsfrei. Das entlastet Familien und sorgt für gute Bildung von Anfang an. Studien belegen, dass seither vor allem der Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund, die eine Kita besuchen, gestiegen ist. Wir werden den Weg fortsetzen und nach und nach auch die ersten drei Kitajahre beitragsfrei stellen.

An der Bildung wird nicht gespart. Im Gegenteil: In keinem Bereich hat der seit 2001 von der SPD geführte Senat die Ausgaben so stark erhöht wie für gute Bildung von der Kita über Schule bis zur Hochschule. Und dafür stehen wir weiterhin!

Wir werden die Mittel, die Berlin aus dem vom Bundesverfassungsgericht aufgehobenen Betreuungsgeld zufließen, weiterhin für die Verbesserung der Betreuung einsetzen.

Eine inklusive Schule erkennt die Individualität jedes Kindes an. An Berlins Schulen sollen alle Kinder die Förderung und Unterstützung bekommen, die sie benötigen. Damit sind ausdrücklich auch die Kinder gemeint, die von Anfang an besonders leistungsstark sind. 

Die Schule der Zukunft ist eine eigenverantwortliche Schule: Wir stärken diesen Weg weiter durch den Aufbau dezentraler  Budgets wie aktuell etwa durch den Verfügungsfonds für alle oder dezentrale Schulbudgets für die sogenannten „Bonus-Schulen“ (Brennpunktschulen). Wir führen das erfolgreiche Landesprogramm „Jugendsozialarbeit an Berliner Schulen“ fort und verstärken es.

Die Beteiligung von Schülerinnen und Schülern an den Entscheidungsstrukturen in ihren Schulen und auf Landesebene haben wir in dieser Legislaturperiode gestärkt. Dies wird auch weiterhin ein wichtiges Ziel sozialdemokratischer Bildungspolitik sein. Es ist uns ein besonderes Anliegen, dass Schülerinnen und Schüler bereits früh lernen, mit demokratischen Strukturen umzugehen, um ihre Lebenswelt mitzugestalten. Zudem wollen wir auch Eltern darin bestärken, von ihren Mitwirkungsrechten Gebrauch zu machen.

 

Gute Bildung von Anfang an

Die weiter wachsende Stadt stellt Berlin vor enorme Herausforderungen. Wir lassen nicht nach beim Ausbau der Kinderbetreuung. Der Schlüssel zum Abbau sozialer Ungleichheiten, aber auch für Erfolge in Schule, Ausbildung und Beruf liegt in der frühen Förderung von Kindern. Wir haben deshalb die Zahl der Kindertagesstätten und Ganztagsangebote erheblich ausgebaut. Nur eine frühe Förderung ermöglicht Chancengleichheit. Seit 2011 haben wir in Berlin zur Sicherung des Rechtsanspruchs auf einen Kitaplatz 20.000 neue Kita-Plätze geschaffen. Doch trotz dieser Erfolge bleibt viel zu tun. Deshalb werden wir auch in den kommenden Jahren dem wachsenden Bedarf Rechnung tragen und das Kitaplatzangebot um weitere 14.000 Plätze aufstocken.

Die Berliner SPD bekennt sich zur Partnerschaft mit den bewährten, gemeinnützigen freien Trägern im Kita-Bereich. Wir setzen uns für den Erhalt und den Ausbau der vielfältigen Angebote ein. Die öffentlichen Kitas sollen neben denen in freier Trägerschaft ihren festen Platz in unserer Kitalandschaft behalten. Wir werden prüfen, wie die Finanzierung der Kitaplätze und der Ausbau von Plätzen sich stärker an den tatsächlichen Kosten orientieren können, sodass sich der Eigenanteil, den die Träger leisten müssen, reduziert.

Wir wollen den Bedarf in sozial belasteten Stadtquartieren in besonderer Weise berücksichtigen. Wir wollen, dass noch mehr Eltern die positiven Wirkungen der Kindertagesbetreuung wahrnehmen und ihre  Kinder so früh wie möglich in  einer Kita anmelden. Finanzielle Zugangsbarrieren sollen dem nicht entgegenstehen. Deshalb wird der Kitabesuch schrittweise für alle Altersgruppen beitragsfrei sein.

Wir werden prüfen, wie sichergestellt werden kann, dass alle Kinder in unseren Schulen und den Kitas Mittagessen erhalten können. Denkbar ist, umfangreichere Härtefallregelungen zu treffen und durchzusetzen.

Die Qualität der Betreuung der Kleinsten verbessern

Gute Rahmenbedingungen erfordern aber auch, dass sich jede Erzieherin und jeder Erzieher um jedes Kind altersangemessen kümmern kann. Jedes einzelne Kind soll frühzeitig und wirkungsvoll gefördert werden. Deshalb werden wir den  Betreuungsschlüssel bei den unter Dreijährigen schrittweise auf den Bundesdurchschnitt verbessern. Auch hier sollen Kinder aus sozial benachteiligten Gebieten besonders gefördert werden. Die Kitaleitung hat eine Schlüsselrolle für die Qualitätsentwicklung. Deswegen werden wir den Leitungsschlüssel stufenweise auf 1:80 verbessern.

Qualität der frühkindlichen Bildung beruht ganz wesentlich auf gut ausgebildeten Fachkräften. Deshalb werden wir den steigenden Bedarf durch den Ausbau  zusätzlicher Studien- und Ausbildungskapazitäten gewährleisten.

Wir setzen auch in Zukunft auf gut ausgebildete Erzieherinnen und Erzieher und werden uns auf Bundesebene für eine bessere Bezahlung dieser Berufsgruppe stark machen. In den Eigenbetrieben gehen wir als gutes Beispiel voran. Wir schaffen eine nachhaltige Beschäftigungsperspektive insbesondere für die jungen Erzieherinnen und Erzieher, da diese in ihrer Branche proportional am stärksten von befristeten Arbeitsverträgen und unsicheren Arbeitsverhältnissen betroffen sind. Zudem wollen wir die Qualifizierungsmaßnahmen der Erzieherinnen und Erzieher in der Ausbildung ausbauen, um die frühkindliche Förderung in den Kitas zu verbessern.

 

Flexible Betreuung ermöglichen

Für viele Menschen, die nicht nach klassischen Arbeitszeiten arbeiten sondern in atypischen Beschäftigungsverhältnissen, gestaltet sich die Kinderbetreuung schwierig. Das betrifft vor allem die Berlinerinnen und Berliner, die im Schichtbetrieb arbeiten sowie viele Alleinerziehende.

 

Wir setzen uns dafür ein, die Vereinbarkeit von Familie, Job, Haushalt und Freizeit zu verbessern und fordern eine Anpassung der Betreuungsinfrastruktur  an die veränderten  Anforderungen der modernen Arbeits- und Lebenswelt sowie die Stärkung der Erwerbsfähigkeit von Eltern. Berlinweit gibt es unterschiedliche Bedarfe für Kinderbetreuung außerhalb der üblichen Kita-Zeiten. Deshalb muss ein Betreuungssystem so flexibel wie möglich für die Spätabendstunden und der Nacht zur Verfügung gestellt werden. Dazu werden wir das Modell einer mobilen Betreuung von Kindern im Haushalt der Eltern – in Vernetzung mit Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflegestellen – einführen.

Integration und Inklusion sind gelebte Realität in unseren Kindertageseinrichtungen.  Wir wollen, dass jedes Kind, gleich welcher Hautfarbe, Herkunft oder Beeinträchtigung gleiche Chancen und individuelle Förderung erhält. Um dies zu befördern werden wir den kind-bezogenen Zuschlag für das Kriterium nicht-deutsche Herkunftssprache auf eine neue Grundlage stellen und tatsächlich pro Kind zahlen.

Dazu gehört auch, dass Kinder aus Regenbogenfamilien gleichberechtigt und frei von Benachteiligung und Anfeindungen aufwachsen können.

 

Individuelle Förderung in der Schule

Nach bestmöglicher Förderung in der Kita ist es unser Berliner Schulsystem, das allen Kindern und Jugendlichen eine optimale Förderung garantieren und herkunftsbedingte Ungleichheiten abbauen soll.

Das Berliner Schulsystem ist sowohl der individuellen Förderung als auch einer hohen Durchlässigkeit und damit Chancengleichheit verpflichtet. Mit der von uns durchgeführten Schulstrukturreform haben wir in Berlin eine Schullandschaft, die durch die sechsjährige Grundschule sowie anschließend die Integrierte Sekundarschule, auf der alle Abschlüsse erworben werden können, und das Gymnasium geprägt wird. Dazu kommen schulartenübergreifend die Gemeinschaftsschulen (von Klasse 1-13) sowie eine große Anzahl beruflicher Schulen mit vielfältigen Angeboten. Mit der Zweigliedrigkeit im Bereich der Klassen 7 bis 10 (Sekundarstufe I) – bestehend aus Integrierten Sekundarschulen und Gemeinschaftsschulen als eine Säule und Gymnasien als andere Säule – wurde Segregation in der Berliner Schule vermindert. 

So finden alle Schülerinnen und Schüler die für sie am besten geeignete Schulform. Gemeinschaftsschulen und Integrierte Sekundarschulen sind erfolgreiche Schulen, die von Eltern und Schülerinnen und Schülern sehr gut angenommen werden.

Wir wollen den schulpsychologischen Dienst verstärkt ausbauen. Diagnostik, Therapie und Beratung haben insbesondere bei der Inklusion und bei der Beschulung traumatisierter Flüchtlingskinder eine große Bedeutung.

Starke und inklusive Grundschulen

Wir wollen die frühe Bildung in den Grundschulen weiter stärken, weil sie wesentlich für einen späteren qualifizierten Schulabschluss ist und den Ausgangspunkt für den beruflichen Erfolg legt. Dazu gehören die Stärkung der Schulanfangsphase und eine Doppelbesetzung mit Pädagoginnen und Pädagogen im sogenannten „jahrgangsübergreifenden Lernen (JÜL)“. Das bewährte Organisationsprinzip soll weiterhin auf freiwilliger Basis von Schulen gewählt werden können. Dazu gehört aber auch die Sicherstellung der räumlichen und sächlichen Ausstattung für die Lernbedürfnisse dieser Altersgruppe.

Die Potenziale der einzelnen Schülerinnen und Schüler zu erkennen und zu fördern, darin liegt die besondere Aufgabe in der Grundschule. Diese Leistung der individuellen Förderung  erfordert eine angemessene Bezahlung. Wir werden uns deshalb für die Gleichstellung der Grundschullehrkräfte bei der Bezahlung sowie bei der Übernahme von Funktionen mit Lehrkräften aller anderen Schularten stark machen. Die Leitungsstellen an Grundschulen haben wir attraktiver gestaltet und eine bessere Bezahlung in diesem Bereich durchgesetzt.

An  Grundschulen haben wir einen Mangel an qualifizierten Lehrkräften. Wir werden deshalb die bisherigen Ausbildungs- und Qualifizierungsinitiativen ausbauen und mit den ausbildenden Hochschulen deutlich höhere Studienplatzkapazitäten verhandeln, um sicherzustellen, dass genügend Lehrerinnen und Lehrer an Berliner Universitäten ausgebildet werden und die Versorgung der Schulen mit Lehrkräften dauerhaft gewährleistet ist. Bei den Erzieherinnen und Erziehern werden wir wie bei den Lehrkräften ein Vertretungsbudget einführen.

Wir wollen die Grundschule darin unterstützen, durch systematische Schulentwicklung und eine stärkere Kooperation innerhalb der Schule die Qualität des Unterrichts zu verbessern.

 

Unser Ziel: ein gebührenfreier Schulhort

Wir werden den Ganztagsbetrieb inhaltlich und qualitativ weiter verbessern. Um allen Kindern den Zugang zur Förderung und Betreuung im Hort zu eröffnen, werden wir die Bedarfsprüfung im offenen Ganztagsschulbetrieb abschaffen. Auch die Hortgebühren werden wir nach einer Verbesserung der Qualität in der Kinderbetreuung wegfallen, um auf allen Stufen der Bildungskette – von der Kita bis zum Master – die Gebührenfreiheit des Bildungszugangs zu gewährleisten. Hierzu zählt auch die Wiedereinführung der Lernmittelfreiheit.

 

Gemeinschaftsschulen weiter ausbauen

Seit dem Schuljahr 2008/2009 beweist die Berliner Gemeinschaftsschule als Schule für alle, dass es möglich ist, den Bildungserfolg von der sozialen und ethnischen Herkunft der Schülerinnen und Schüler abzukoppeln. Wir wollen die Erfolgsgeschichte der Berliner Gemeinschaftsschulen fortschreiben und es mehr Kindern ermöglichen, eine bruchlose, inklusive und gerechte Bildung zu erhalten. Die Gemeinschaftsschule, die momentan an 24 Schulen erprobt wird, soll mit dem Ende der Pilotphase einen festen Platz in der Berliner Schullandschaft erhalten: wir werden die Gemeinschaftsschulen als Schulart im Schulgesetz verankern und dafür sorgen, dass sich weiterhin Schulen aller Schularten bewerben können, Gemeinschaftsschule zu werden.

 

Gute Ausbildung für unsere Lehrerinnen und Lehrer

Wir haben in der vergangenen Legislaturperiode die Lehrkräfteausbildung erfolgreich reformiert, indem wir die sie an die veränderte Schulstruktur angepasst haben. Seitdem werden angehende Lehrerinnen und Lehrer in Berlin einheitlicher, praxisnäher und inklusiver ausgebildet. Berlin muss für junge angestellte Lehrkräfte attraktiv bleiben. Wir werden daher mit den Hochschulen darauf hinwirken, dass eine bedarfsgerechte Ausbildung im Lehramt inklusive der Bereitstellung der benötigen Anzahl von Referendariatsplätzen, erreicht wird.

Für die Betreuung und Anleitung der Referendarinnen und Referendare werden wir künftig analog zur Betreuung der so genannten Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger Ermäßigungsstunden für die anleitende Lehrkraft finanzieren.

Um für das Lehramtsstudium ausreichend junge Menschen zu gewinnen, auch verstärkt mit Integrationshintergrund, werden wir neue Modelle und finanzielle Anreize zur Aufnahme und Gestaltung des Studiums entwickeln.

 

Inklusion vorantreiben

Bei der Integration von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen ist für uns der Elternwille maßgeblich. Wir fördern in einem weiterhin partizipativen Prozess das inklusive Schulsystem, in dem auch Kinder mit Beeinträchtigungen gute Bildung erhalten und bestmöglich gefördert werden. Eine Deckelung der Ressourcen für den sonderpädagogischen Förderbedarf darf es nicht geben. Die Schulen müssen durch ein System der Grundausstattung und bedarfsgerechter Nachsteuerung in die Lage versetzt  werden, inklusiv zu arbeiten. Der flächendeckende Aufbau von Beratungszentren und eine flächendeckende Qualifizierung der Lehrkräfte und des pädagogischen Personals ist Voraussetzung für gelingende Inklusion. Im Übergang gehört hierzu auch der 2016 begonnene Aufbau inklusiver Schwerpunktschulen, die den Wechsel von Förderschulen in inklusiv arbeitende Schulen erleichtern. Förderschulen werden wir nur dann und dort abbauen, wo die Nachfrage der Eltern und Kinder dauerhaft abnimmt. Inklusion lässt sich nicht verordnen, sie muss glaubhaft gelebt werden und im Ergebnis überzeugen. In diesem Sinne wollen wir den bisherigen partizipativen Weg mit dem Berliner Beirat für inklusive Schule weitergehen.

 

Integration ausbauen

Erfolgreich haben wir ein sozialdemokratisches Ziel verwirklicht: Mit dem so genannten „Bonusprogramm“ fördern wir Schulen in sozialen Brennpunkten besonders. Integration ist vor allem eine Frage des Bildungsangebots. Damit kein Kind verloren geht, ist es uns wichtig, die Schulen finanziell und personell besonders gut auszustatten, an denen die Bedingungen für Lehrerinnen und Lehrer, Eltern und Schülerinnen und Schüler aufgrund der sozialen Lage schwieriger sind als anderswo. Erster Schritt für die Bildungsintegration der zu uns geflüchteten Kinder und Jugendliche sind die Willkommensklassen an den regulären Schulen. Wir werden ausreichende Ressourcen für die Sprachbildung und die nötigen Bildungsabschlüsse  aller Schülerinnen und Schüler zur Verfügung stellen. Ein bedeutender Motor für die Integration ist die berufliche Qualifizierung sowie der Übergang in den ersten Arbeitsmarkt. Wir unterstützen Maßnahmen, die diesen Zweck erfüllen.

 

Berufsschulen weiter stärken

Zu viele Jugendliche in Berlin verlassen die Schule ohne Abschluss. Außerdem bricht fast jeder und jede dritte Jugendliche seine Lehre ab. Mit einer frühzeitigen beruflichen Orientierung und einer besseren Betreuung können wir dem entgegenwirken:

Die beruflichen Schulen werden wir deshalb weiter stärken und ihre Bildungsgänge und
-angebote nachfragegerecht entwickeln. Duale Bildungsgänge haben gegenüber vollschulischen Bildungsgängen Priorität, jedoch kann ein Abbau von vollschulischen Angeboten nur dort erfolgen, wo die Wirtschaft ihrer Verpflichtung zum Aufbau zusätzlicher dualer Ausbildungsplätze nachweislich und dauerhaft nachkommt. Die hohe Präsenz privater Berufsschulen sehen wir auch als Hinweis auf Defizite im Bildungsangebot öffentlicher Berufsschulen. Dies gilt es im Interesse starker Oberstufenzentren zu korrigieren. Den besonderen Bedarf an qualifizierten Berufsschullehrkräften werden wir analog zu den Bemühungen im Grundschulbereich durch geeignete Qualifizierungs- und Ausbildungsmaßnahmen decken. Das Angebot der Berufs- und Studienorientierung sowie des Dualen Studiums an den Berliner Oberstufenzentren werden wir weiter stärken und die verbindliche Berufs- und Studienorientierung aller Schülerinnen und Schüler an allen weiterführenden Schulen erweitern. Hierbei wollen wir auch Duale Studiengänge –  zum Beispiel für IT-Fachkräfte – ausbauen.

Wir werden für alle Jugendlichen, die weder einen Ausbildungsplatz haben, noch eine Oberstufe besuchen, das 11. Schuljahr verbindlich im Rahmen der Schulpflicht zur Berufsqualifikation einführen. Nach dem erfolgreichen Aufbau der Jugendberufsagentur in allen 12 Bezirken muss in der kommenden Legislaturperiode die vollständige Erfassung und Vermittlung bzw. Qualifizierung aller Berliner Schulabgänger folgen. Kein Jugendlicher darf verloren gehen.

 

Ausbau von Ganztagsgymnasien

Die Berliner Gymnasien übernehmen mit dem 12-jährigen Bildungsgang zum Abitur eine besondere Verantwortung und Funktion. Mit uns wird es eine personelle Verstärkung im
7. Jahrgang (Probejahr) geben, in dem eine erhöhte Förderung und Beratung schwächerer Schülerinnen und Schüler nötig ist. Wir wollen dafür Sorge tragen, dass die Berliner Gymnasien schrittweise zu Ganztagsschulen ausgebaut werden. Das System der Begabtenförderung wollen wir evaluieren und möglichst zielgruppengenau ausrichten. Erfahrungen und Ansätze der Begabtenförderung können bei positiver Evaluation in die bestehenden Angebote der Integrierten Sekundarschulen eingebunden werden.

 

Moderne Schulen

Die Schule der Zukunft ist auch eine digitale Schule: Wir werden die Kompetenzen im Bereich der digitalen Medien der Schülerinnen und Schüler  und Lehrerinnen und Lehrer gleichermaßen fördern. Unser Ziel ist es, alle Berliner Schulen mit interaktiven Whiteboards auszustatten und an ein kostenfreies WLAN-Netz anzuschließen. Die Zahl der so genannten Laptop-Klassen soll an interessierten Schulen deutlich erhöht werden.

Mit dem Open Educational Resources (OER)-Projekt entwickeln wir freie Lehrmittel, die durch Lernende und Lehrende kostenfrei genutzt und verbreitet werden können. Ab dem Schuljahr 2017/18  werden wir den flächendeckenden Austausch von OER-Mitteln ermöglichen sowie den Anteil der verfügbaren OER-Lehrmittel weiter ausbauen.

Moderne und eigenverantwortliche Schulen benötigen für ihre Arbeit auch Entlastung im nicht-pädagogischen Bereich. Hierzu werden wir für alle Schularten den in 2014 begonnenen Ansatz ausbauen und im Laufe der kommenden Legislaturperiode jeder Schule eine Verwaltungsleitung und eine IT-Kraft an die Seite stellen: große Schulen volle Stellen, kleinere Schulen anteilige Stellen in Kooperation mit Nachbarschulen. Damit werden auch pädagogische Ressourcen wieder frei für den Fachunterricht, die bislang an der falschen Stelle gebunden waren.

Schulbibliotheken sind für uns wichtige Einrichtungen, um Schülerinnen und Schülern den niedrigschwelligen Zugang zum Lesen zu ermöglichen. Wir werden ihren Bestand absichern und die (Wieder-)Einrichtung von Bibliotheken fördern.

Wir bekennen uns zur Staatlichen Europa-Schule mit ihren zahlreichen Standorten als ein Erfolgsmodell für bilinguale und bikulturelle Ausbildung von jungen Menschen. Wir setzen uns für den Erhalt aller Schulstandorte ein.

 

Schulbau und Sanierung

Der SPD-geführte Berliner Senat hat  die Investitionsmittel für den Bau, die Erweiterung und die Sanierung von Schulen in den vergangenen Jahren massiv erhöht. Unser Ziel ist eine Absicherung der baulichen Unterhaltung in Höhe der bundesweit empfohlenen Richtwerte für den Hochbauunterhalt (mindestens 1,2 Prozent der Gebäudewerte) und ausreichende zusätzliche Sondermittel zum Abbau des in den vergangenen Jahren aufgelaufenen Sanierungsstaus an Schulen. Schulen mit guter Energiebilanz und lernförderlichen Räumlichkeiten sind unser Ziel. Zudem wollen wir die Schulreinigung künftig wieder in die öffentliche Hand der Bezirke überführen.

Bildung braucht Raum. Daher werden wir die räumlichen Anforderungen und Standards für moderne Schulen an die bildungspolitischen Konzepte anpassen. Die SPD wird neben der nachhaltigen Absicherung des notwendigen Bauunterhalts für Schulen ein Sonderprogramm auflegen, mit dem der notwendige Neu- und Ausbau von Schulen angesichts der wachsenden Schülerzahlen abgesichert wird. Wir benötigen in der nächsten Legislaturperiode eine Vielzahl neuer Schulen in fast allen Bezirken. Um insbesondere den Neubau bedarfsgerecht bis 2021/22 zu realisieren, werden wir die Planungs- und Bauverfahren ähnlich wie in anderen Großstädten so beschleunigen, dass die bisherigen Zeiten halbiert werden.

 

Jugendpolitik und Förderung von Familien

Jugendpolitik verstehen wir in erster Linie als Querschnittspolitik. Wir stehen für ein jugendgerechtes Berlin. Wir nehmen die spezifischen Belange der jungen Generation ernst und fördern die aktive Beteiligung junger Menschen in allen Lebensbereichen. Die zahlreichen Jugendverbände sind dabei wichtige Orte der Demokratiebildung.

Aktive Beteiligung ist Grundlage einer lebendigen Demokratie. Sie schärft den Sinn für das Gemeinwohl, stärkt den Zusammenhalt und Generationendialog und fördert Eigeninitiative und Engagement aller Berlinerinnen und Berliner.

Deshalb werden wir die Partizipation junger Menschen stärken und die  Beteiligungsmöglichkeiten durch die Weiterentwicklung des Jugenddemokratiefonds und das neue Jugendportal mit vielen interaktiven Beteiligungs- und Kommunikationsangeboten fördern und ausweiten.

Gute kulturelle Bildung in allen Bildungsbereichen und in der Kinder- und Jugendarbeit ist seit langem ein wichtiges Ziel unserer Politik. Dafür haben wir in den vergangenen Jahren die Fördermittel für die Kinder- und Jugendtheaterarbeit im Kulturhaushalt erhöht und bekennen uns auch weiter zu unserer finanziellen Verantwortung.

Die Förderung von Lern- und Erfahrungsräumen im direkten Lebensumfeld junger Menschen benötigt eine Stärkung dezentraler Angebote der Jugendarbeit, Jugendbildung und Jugendverbände. Dies erfordert, die Kooperation Jugendhilfe-Schule weiter zu qualifizieren und einen besonderen Fokus auf die ganzheitliche Entwicklung des Sozialraums zu legen. Lernen durch ehrenamtliches Engagement, durch selbstorganisierte Projekte und durch sozialpolitische Mitwirkung braucht eine Stärkung der Jugendarbeit in ihrer dezentralen Struktur mit gesetzlichen Standards.

Um die Interessen von Kindern und Jugendlichen und deren Rechtsstellung noch stärker in den Mittelpunkt zu stellen, setzen wir uns entsprechend der UN-Kinderrechtskonvention für die Aufnahme der Kinderrechte in das Grundgesetz ein. Wir wollen, dass Kinder künftig in allen Belangen, die sich betreffen, auch beteiligt werden.

Ein wirksamer Kinderschutz braucht stabile Netzwerke und starker Partner.  Wo Kinder in Gefahr sind, müssen sie konsequent und ausreichend geschützt werden. Die Möglichkeiten der  Prävention und wirksamen Intervention zur Unterstützung von Familien werden wesentlich  durch die Handlungsfähigkeit der Jugendämter beeinflusst. Deshalb werden wir die Ressourcen der Jugendämter durch eine verbesserte Personalausstattung im Jugendamt und zum Beispiel im Regionalen Sozialen Dienst von 1:65 von Fachkraft zu Fall-Relation und den  Berufseinstieg im Feld des Kinderschutzes durch Fachberatung stärken. Durch die Umsetzung des Organisationsmodells des „Sozialräumlich organisierten Jugendamtes“ wollen wir die Arbeitsfähigkeit der Berliner Jugendämter stärken. Wir werden weitere Familienzentren und Familienbüros als lokaler Ansprechpartner schaffen, um die Zugänge zu frühen Hilfen, Familienbildungsmaßnahmen und anderen Unterstützungssystemen für junge Familien zu verbessern. Eine ressortübergreifende Strategie gegen Kinderarmut ist konsequent und gezielt umzusetzen. Kinder dürfen nicht in Armut aufwachsen und einkommensarme Familien müssen gezielt unterstützt werden.

Berufliche Weiterbildung, kulturelle Bildung und politische Bildung

Berlin hat eine bunte und große Trägerlandschaft der kulturellen und politischen Bildung: Volkshochschulen, außerschulische Lernorte, Jugendbildungsstätten und Träger verschiedener Fachrichtungen.

Gemeinsam mit diesen Trägern und der Landeszentrale für politische Bildung wollen wir die politische Bildungsarbeit weiterentwickeln. Dabei wollen wir insbesondere die vielschichtige Geschichte Berlins und ihre Rolle als Stadt der Einwanderung und Verschiedenheit beleuchten und die politische Partizipation der Bürgerinnen und Bürger sowie eine demokratische Stadtkultur fördern.

Wichtige außerschulische Lernorte wie Jugendverkehrsschulen, Gartenarbeitsschulen und Jugendkunstschulen haben wir 2016 finanziell und rechtlich gestärkt. Auf dieser guten Basis werden wir die außerschulischen Lernorte mit den Bezirken konzeptionell weiterentwickeln und für Schulen, Kitas und weitere Personengruppen noch besser nutzbar machen.

Die öffentlichen Bibliotheken werden wir als Orte lebenslangen Lernens stärken und damit die Vermittlung von Informations- und Medienkompetenz und von vertieftem Wissen über das demokratische Gemeinwesen fördern.

Volkshochschulen sind die kommunalen Weiterbildungszentren und müssen den aktuellen Anforderungen entsprechend weiterentwickelt werden. Sie übernehmen vielfach Aufgaben von landesweiter Bedeutung (wie Sprach- und Integrationskurse für Geflüchtete, Alphabetisierungskurse). Wir streben zur Verbesserung der Arbeit gemeinsam mit den Bezirken die Einrichtung einer gemeinsamen Servicestelle Berliner Volkshochschulen an. Wir werden in der kommenden Legislaturperiode ein Berliner Weiterbildungsgesetz auf den Weg bringen. Zunehmende Bedeutung soll der Ausbau des Zweiten Bildungswegs zum Nachholen von Schulabschlüssen für Erwachsene – vor allem auch für geflüchtete Menschen – an Volkshochschulen, Kollegs und Abendgymnasien erhalten.

Für uns als Berliner SPD ist es wichtig, die digitale Spaltung zu überwinden. Digitale Teilhabechancen für alle Bevölkerungs- und Altersgruppen der Stadtgesellschaft werden durch die Arbeit von Bibliotheken und Volkshochschulen gefördert. Wir wollen auch ältere Menschen beim Erlernen digitaler Techniken unterstützen. Die SPD wird Computerkurse für Seniorinnen und Senioren weiter fördern.

Musikschulen müssen auch die Kinder und Jugendlichen erreichen, die in ihrer häuslichen Umgebung wenig in ihrer kulturellen Bildung unterstützt werden können. Sie übernehmen außerdem eine wichtige Aufgabe bei der kulturellen Integration von geflüchteten Menschen. Die Musikschulen nehmen, auch laut Schulgesetz, einen öffentlichen Auftrag wahr. Sie sind wichtiger und integraler Bestandteil der Berliner Bildungslandschaft. Wir wollen die Musikschulen mit ihren bildungspolitischen, sozialpolitischen und kulturellen Aufgaben stärken. Die Musikschulen sollen den chancengleichen Zugang für jede Bürgerin und jeden Bürger weiterhin garantieren.

Eine verlässliche Finanzierung und in einem ersten Schritt eine Mindestquote von 20 Prozent Festangestellten soll die Qualität der Arbeit absichern und stärken. Die Kooperation der Schulen mit Partnern in Projekten der kulturellen Bildung (zum Beispiel Musikschulen) geben wichtige Impulse. Viele Kinder und Jugendliche können in diesen Projekten ganz besondere Fähigkeiten entwickeln. Wir werden diese Kooperationen weiter fördern und ausbauen.

Zur Verstetigung der Impulse werden wir die im Bereich der integrierten Sekundarschule bereits bestehenden, kostenfreien Kooperationsangebote mit Musikschulen auf weitere Schularten übertragen.

 

Attraktive Hochschulen

Berlin ist ein im bundesdeutschen und internationalen Vergleich sehr starker und bedeutender Wissenschaftsstandort. Die Berliner Hochschulen bieten ein breites und stark nachgefragtes Studienangebot. Die Kombination von Vielfalt und Qualität der Berliner Wissenschafts- und Forschungslandschaft ist ihre entscheidende Stärke, die wir erhalten und pflegen werden.

Die Zahl der Studienplätze ist in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut worden und hat mit über 175.000 Studierenden einen neuen Rekord erreicht. Junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zieht es in unsere Stadt, weil Berlin über eine Vielzahl exzellenter Einrichtungen verfügt. Die Hochschulen und Forschungseinrichtungen sind die Motoren einer erfolgreichen und nachhaltigen Entwicklung unserer Gesellschaft.

Eine dauerhafte starke Entwicklung der Hochschulen und ihrer Einrichtungen setzt die generelle demokratische Beteiligung aller dort Tätigen voraus. Es bleibt Aufgabe der Hochschulen wie der Hochschulpolitik allen Studierenden ein gutes Studium zu ermöglichen.

Wir werden daher ein Programm zur Verbesserung von Lehre und Studium auf den Weg bringen, das entsprechende Anreize setzt und dazu beiträgt, Schwachstellen in systematischer Weise zu beseitigen. Gleichstellung, Familienfreundlichkeit und Barrierefreiheit an Hochschulen müssen weiter ausgebaut werden.

Wir haben die Verantwortung, erfolgreiche Bildungsbiografien zu ermöglichen. Dies erfordert ebenso flexible wie durchlässige Bildungswege.  Wir wollen allen Menschen, die sich durch ein Studium weiterentwickeln wollen, unabhängig von sozialem Status, Geschlecht, Herkunft und finanziellem Hintergrund weiterhin das gebührenfreie Studium ermöglichen. Wir wollen, dass künftig noch mehr Menschen auch ohne Abitur den Weg an die Hochschule finden. Berufliche Qualifikationen sind in vielen Fällen eine hervorragende Basis für ein erfolgreiches Studium. Wir werden uns dafür einsetzen, dass die bereits geschaffenen Möglichkeiten noch stärker genutzt werden.

Die Hochschulen müssen Studienanfängerinnen und -anfängern auch neben und in Begleitung beruflicher Tätigkeiten ein erfolgreiches Studium möglich machen. Wir werden den Prozess der Ausrichtung des Lehr- und Lernangebotes stärker auf die Bedürfnisse dieser Studierenden vorantreiben. Jeder Studiengang muss neben der fachlichen Ausrichtung auch das generelle Studium ermöglichen. Die tatsächliche Arbeitsbelastung eines Vollzeitstudiums soll eine 40-Stundenwoche künftig nicht längere Zeit überschreiten.

Digitale Medien müssen an der Hochschule genauso selbstverständlich Anwendung finden wie herkömmliche Lehrmittel. Dazu gehört der Einsatz klassischer E-Learning-Formate ebenso wie die Bereitschaft der Hochschulen, digitale Lehrangebote einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. In diesen Zusammenhang wollen wir den freien Wissensaustausch fördern und unterstützen Open-Access-Publikationen.

 

Wissenschaft als Jobmotor

Der konsequente Ausbau des Wissenschaftssektors in den vergangenen beiden Wahlperioden, in denen die SPD die Verantwortung für die Wissenschaft trug, wird auch in den kommenden fünf Jahren für uns von zentraler Bedeutung sein. Die Wissenschaftseinrichtungen sind nicht nur wichtige Orte der Bildung und zentraler Arbeitgeber in unserer Stadt, sondern auch Impulsgeber für die Wirtschaft. Sie sichern den Fachkräftebedarf in der Hauptstadtregion und darüber hinaus. Sie schaffen Erkenntnisse, die sich auch in Ausgründungen und damit neuen und innovativen Unternehmen niederschlagen. Auch deshalb braucht Berlin starke Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen.

Der Aufstieg Berlins zur Start-up-Metropole ist entscheidend mit der Stärke der Wissenschaft verbunden. Die Kooperationsmöglichkeiten zwischen Wissenschaft und Wirtschaft sind noch nicht ausgereizt. Der Berliner Kreis der Digitalisierung zeigt, welches Potential in der Kooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft liegt. Wir werden diesen Weg der Kooperation auf weitere Themenfelder ausweiten.

Den vor Jahren eingeschlagenen Kurs wollen wir fortsetzen und  streben daher auch eine weitere Erhöhung der Studienanfängerplätze an. Für einen Kapazitätsausbau spricht vieles:

Durch die große Attraktivität Berlins wollen Menschen aus dem ganzen Bundesgebiet in Berlin studieren. Wir werden unseren Berliner Landeskindern die Chance erhalten, in Ihrer Heimatstadt studieren zu können. Nur durch zusätzliche Kapazitäten kann auch ein angemessener Anteil der Berliner Abiturientinnen und Abiturienten in Berlin studieren, da Studienplätze nicht nach Herkunft vergeben werden können und sollen. Wir werden hierfür über den Hochschulvertrag 2018 bis 2021 eine adäquate Finanzierung sicherstellen. Auf Bundesebene wird sich das Land Berlin dafür einsetzen, dass der Hochschulpakt über das Jahr 2020 hinaus unbefristet fortgesetzt wird und den Hochschulen die Finanzmittel für die Grundfinanzierung zur Verfügung gestellt werden.

Berlin setzt auf die Potentiale der Geflüchteten. Wir werden den Geflüchteten einen gleichberechtigten Zugang zu den Berliner Bildungs- und Ausbildungsinstitutionen gewähren. Um ihnen die reguläre Immatrikulation zu ermöglichen, werden wir uns dafür einsetzen, internationale Bildungsabschlüsse in einem zügigen und unkomplizierten Verfahren anerkennen zu lassen. Insbesondere sollen Sprachhürden durch ein umfangreiches Angebot auch nach Aufnahme des Studiums abbaubar sein. Der Hochschulzugang darf auch deshalb in keinem Bereich von der finanziellen Möglichkeit der Studienbewerberinnen und -bewerber abhängig sein. Finanzielle Hürden, wie zurzeit durch den Bewerbungszwang über uni-assist, sind in allen Stadien der Verfahren abzuschaffen.

Vor allem die Fachhochschulen spielen hier eine immer wichtigere Rolle. Akademisierung ist für uns keine Universitarisierung. Fachhochschulen und Universitäten bieten akademische Bildung aus unterschiedlicher Perspektive an. Die bestehenden Unterschiede haben daher ihre Berechtigung und werden auch in Berlin erhalten bleiben. Für das kooperative Promotionsrecht brauchen wir verbindliche Vereinbarungen zwischen Fachhochschulen und Universitäten. 

Die Akademisierung bestimmter Ausbildungsgänge erfolgt in aller Regel an den Fachhochschulen – seien es Gesundheitsfachberufe oder die Frühpädagogik. Daher hat Berlin in den vergangenen Jahren noch stärker als die Universitäten seine Fachhochschulen ausgebaut. Diese werden wir weiter fördern.

Um die Berliner Wissenschaft auch im Bereich der anwendungsnahen praxisorientierten Wissenschaft zu profilieren, muss die Förderung der anwendungsnahen  Forschung an den staatlichen Berliner Fachhochschulen ausgeweitet werden. Das IFAF – Institut für Angewandte Forschung Berlin – hat sich als Vernetzungsinstrument der staatlichen Berliner Fachhochschulen und als Brücke zwischen Wissenschaft und Wirtschaft bewährt.

Lange Jahre haben die Investitionen in Berlin nicht mit der Entwicklung der Stadt Schritt halten können. Darunter leidet heute auch die Infrastruktur der Wissenschaftseinrichtungen.  Daher haben wir einen Investitionspakt Hochschulbau aufgelegt, der den Investitionsstau in den kommenden zehn Jahren abbauen wird. In dieser Zeit investieren wir rund zwei Milliarden  Euro in die Infrastruktur. Wir schaffen so die Voraussetzungen für exzellente Forschung und exzellente Lehre. Falls erforderlich werden wir den Investitionspakt ausbauen.

Die Berliner Hochschulen sind international hervorragend vernetzt und in der Lage, innovative Projekte in Kooperation mit Partnern, insbesondere mit Schwellenländern durchzuführen. Diese wissenschaftliche Exzellenz wollen wir ausbauen. Berlin nimmt deshalb seine internationale Verantwortung weiterhin wahr, indem wir Forschungseinrichtungen in den Bereichen Internationale Politik, Sicherheitspolitik sowie Friedens- und Konfliktforschung ansiedeln und fördern werden.

 

Charité stärken und Sanierung fortsetzen

Mit der Charité verfügt Berlin über das größte Universitätsklinikum Europas mit exzellentem weltweitem Ruf in der Forschung, einer Vorreiterrolle in der Lehre und herausragenden medizinischen Leistungen. Nach einer harten Konsolidierungsphase haben wir dafür gesorgt, dass die Charité in allen Bereichen gestärkt wurde: Mit dem Hochschulvertrag hat die Charité planungssichere und steigende Zuschüsse für die Forschung und Lehre erhalten, die Infrastruktur der Charité wurde an allen Standorten maßgeblich vorangebracht und der Krankenhausbetrieb durch den Erhalt der Behandlungskapazitäten (Betten) gestärkt. Diesen Weg wollen wir weitergehen. An allen vier Standorten wollen wir die bauliche Sanierung fortsetzen, die medizinische Versorgung auf hohem Niveau stärken, die exzellente Forschung unterstützen und anregen und den bundesweit vorbildlichen  Modellstudiengang weiter stärken. Zugleich ist es aber auch notwendig, dass die Charité künftig wieder deutlich mehr Ärztinnen und Ärzte sowie Zahnärztinnen und Zahnärzte erfolgreich ausbildet.

Mit der Gründung des Berliner Instituts für Gesundheitsforschung (BIG) haben wir erreicht, dass sich der Bund auch finanziell an der Weiterentwicklung der Forschung in der Charité beteiligt. Das BIG mit seinen Fundamenten in Charité und Max-Delbrück-Centrum soll einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass Berlin eines der weltweit führenden Zentren der Gesundheitsforschung wird.

 

Gute Wissenschaft braucht gute Arbeitsbedingungen

Gute Wissenschaft gelingt nur auf der Basis guter Arbeit: Wir tun etwas gegen die prekären Arbeitsverhältnisse in der Wissenschaft. Die Vergabe von Lehraufträgen darf nicht für die Übernahme von Daueraufgaben missbraucht werden. Für Daueraufgaben müssen  Dauerstellen geschaffen werden, auch der spezifischen Situation der Fachhochschulen werden wir dabei Rechnung tragen. Wir begrüßen alle Maßnahmen, die dem Ziel dienen, Doktorandinnen und Doktoranden als auch Postdoktorandinnen und Postdoktoranden durch längere Verträge Planungssicherheit zu geben. Wir wollen verlässliche Qualifikationswege für den wissenschaftlichen Nachwuchs bieten und Berufsperspektiven unterhalb der Professur schaffen. Darüber hinaus müssen in enger Abstimmung mit den Gewerkschaften Konzepte entwickelt werden, die die Arbeitsqualität der an den Hochschulen Beschäftigten verbessern.

Bei der landesseitigen Finanzierung von Sonderprogrammen wie der Qualitäts- und Innovationsoffensive werden wir Mindestvertragszeiten von 24 Monaten für wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vorschreiben. Den bundesweit weiterhin einmaligen studentischen Tarifvertrag begrüßt die SPD Berlin als wichtige Säule guter Arbeit an den Hochschulen und wird sich daher für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen einsetzen. Gleichzeitig unterstützen wir eine Verbesserung des Tarifvertrages der studentischen Beschäftigten im Land Berlin.

Den Bund-Länder-Pakt für den Nachwuchs werden wir nutzen, um das so genannte Tenure Track-Modell – welches für junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nach einer Bewährungszeit eine Aussicht auf eine Lebenszeitprofessur beinhaltet – fest in der Wissenschaft zu verankern und so den jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eine bessere Planbarkeit ihrer Karriere zu sichern.

Die soziale Infrastruktur muss mit dem Ausbau der Hochschulen Schritt halten. Daher haben wir die Schaffung von 5.000 zusätzlichen Wohnheimplätzen für Studierende angeschoben. Wir werden die Umsetzung in den kommenden Jahren konsequent vorantreiben. Die zentrale Rolle des Studierendenwerks Berlin für die soziale Infrastruktur sowie den Ausbau von studentischem Wohnraum am BAföG-Satz orientiert, werden wir bei der Fortschreibung der Verträge zwischen Studierendenwerk und Land Berlin berücksichtigen.

Der Übergang zwischen den Bachelor- und Masterstudium darf keine Bildungshürde darstellen.

 

Ausbau von Masterstudienplätzen

Die Studiengänge an Berlins Hochschulen wollen wir so ausgestalten, dass sie für alle Masterstudiengänge im Anschluss qualifizieren, die im Bereich ähnlicher Wissenschaften angesiedelt sind. Für Berufe, die einen Masterabschluss zwingend voraussetzen, werden wir eine Garantie auf einen Übergang in die Masterphase mit Beginn des Bachelorstudiums absichern. Für alle Studiengänge haben die Hochschulen sicherzustellen, dass jeweils mindestens für 70 Prozent der Studienanfängerzahl eines Bachelorstudiums der direkte Übergang in ein entsprechendes Masterstudium möglich ist. Anderseits haben die Hochschulen alle Bachelorstudienphasen so auszugestalten, dass die Studierenden mit einem Bachelorabschluss eine tatsächliche Chance auf dem Arbeitsmarkt erhalten. Generell sind Detailvoraussetzungen für die Zulassung zu Masterstudiengängen – insbesondere bestimmte Kombinationen von Leistungspunkten – auf ein Minimum zu begrenzen und bedürfen jeweils einer stichhaltigen Begründung.

Wir setzen uns für die Anerkennung des Bachelors als ersten berufsqualifizierenden Abschluss durch die Arbeitgeber – auch des öffentlichen Dienstes - ein. Darüber hinaus gilt für uns: Ein erfolgreich abgeschlossenes Bachelor-Studium ist eine allgemeine Master-Zugangsberechtigung. Nach dem erfolgten Ausbau der Studienanfängerplätze in den letzten Jahren müssen auch die Masterplatzkapazitäten ausgebaut werden. Nur so kann der Übergang in das weiterführende Studium ohne hohe NCs gelingen. Dies werden wir im Rahmen der Hochschulverträge regeln.

 

Frauen in der Wissenschaft

Berlin hat bundesweit den höchsten Anteil von Professorinnen. Das ist ein Erfolg sozialdemokratischer Wissenschaftspolitik. Der weitere Ausbau dieser Chancengleichheit ist eine wesentliche Voraussetzung für die Verbesserung des gesamten Wissenschaftsbereiches. Die Hälfte der Berufungen und Leitungsfunktionen werden wir mit Frauen besetzen.

Die gleiche Repräsentation der Geschlechter auf allen Ebenen der Hochschulen soll dementsprechend weiter ausgebaut werden. Frauen sind in vielen Wissenschaftsbereichen nach wie vor deutlich unterrepräsentiert. Wir richten künftig unsere Nachwuchsförderung nach Gleichstellungsaspekten aus.

 

Erfolgsmodell Einstein Stiftung

Die Einstein Stiftung Berlin ist ein Erfolgsmodell für die Berliner Wissenschaftslandschaft. Daher haben wir die finanzielle Ausstattung der Stiftung gestärkt und die Anreize für private Unterstützung erhöht. Wir stehen dafür, dass das Land Berlin jeden privat eingeworbenen Euro mit weiteren 50 Cent aufstockt. Mit dem Einstein-Zentrum Digitale Zukunft wollen wir die Digitalisierung der Stadt ausbauen.

Die Berliner Universitäten sind bestens gerüstet für die nächste Etappe der Exzellenzinitiative. Wir wollen die Exzellenzinitiative nutzen, um den Wissenschaftsstandort Berlin international noch sichtbarer zu machen. Wir werden daher die Kooperation zwischen den Berliner Universitäten weiter ausbauen.

Mit Blick auf die zunehmende Globalisierung in Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur, angesichts der starken Einwanderung nach Deutschland und angesichts der zunehmenden Internationalisierung Berlins brauchen wir an den Berliner Hochschulen mehr wissenschaftliche Bildung und Forschung zu anderen Sprachen und Kulturen vor allem auch außerhalb Europas. Der bisherige Umfang wissenschaftlicher Beschäftigung und Ausbildung etwa zu Afrika, Vorderen Orient, Südasien entspricht nicht dem Problemdruck, auf den unsere Gesellschaft jetzt Antworten finden muss.

Wir werden uns für ein Institut für islamische Theologie an einer Berliner Universität einsetzen. Dabei muss selbstverständlich auch die Vielfalt religiöser Strömungen berücksichtigt werden.

 

 

 

 

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