Vorträge mit Diskussion: "Treber, Stricher, Diebe – Die Kriminalisierung des Sozialen im NS"

05.11.2016

Vorträge mit Diskussion "Treber, Stricher, Diebe – Die Kriminalisierung des Sozialen im NS"

05.11.2016, 20:00
Veranstalter: "Förderverein zum Gedenken an Nazi-Verbrechen um und auf dem Tempelhofer Flugfeld e.V."

Anlässlich des 70. Jahrestages der Schließung des KZ Columbia lädt der "Förderverein zum Gedenken an Nazi-Verbrechen um und auf dem Tempelhofer Flugfeld e.V." zu einer zweiteiligen Veranstaltungsreihe Ende Oktober und Anfang November 2016 ein. Die zweite Veranstaltung widmet sich dem Thema "Treber, Stricher, Diebe – Die Kriminalisierung des Sozialen im NS".

In der ersten Jahreshälfte 1934 wurde durch Heinrich Himmler aus dem SS-Gefängnis Columbiahaus das KZ Columbia. Bis November 1934 war das KZ Columbia vor allem ein Ort des frühen Terrors, eine Haft- und Folterstelle für politische Gegner überwiegend aus der organisierten Arbeiterbewegung und ihrem Umfeld. Ab diesem Monat begannen sich die Haftgründe zu verändern. Nun wurden zusätzlich auch Pfadfinder, Stricher, Diebe inhaftiert, katholische Priester und andere Menschen, die vorher gar nicht im Fokus der SS und der Geheimen Staatspolizei waren. Viele von ihnen wurden noch ein Jahr zuvor in die Arbeitshäuser verwiesen. Es waren minderjährige Jungen, die, aus der Fürsorge entflohen, der Prostitution oder des Diebstahls verdächtigt waren. Sie waren mit dem Vorwurf der „homosexuellen Betätigung“ konfrontiert. Welche Rolle spielte das Konzentrationslager im Netz von Fürsorge und Arbeitshäusern dabei, diese als „asozial“ und „arbeitsscheu“, als „Gewohnheitsverbrecher“ Stigmatisierten zu verfolgen? Warum interessierten sich die Gesundheitsämter und ab 1935 Ärzte der SS für diese Jugendlichen? Welche Rolle spielte die Rassehygiene und die kriminalbiologische Forschung in Jena und Berlin für „Kriminelle“, „uneheliche“ und „homosexuelle“ Jugendliche?

Diesen Fragen gehen die Historikerin Beate Winzer und der Historiker Oliver Gaida am Sonnabend, den 5. November nach.

Moderation: Thomas Irmer

Beate Winzer, Historikerin, Politologin, Doktorandin an der FU Berlin, Forschungsthemen: u.a. Medizin- und Wissenschaftsgeschichte mit Schwerpunkt NS, Vorsitzende des Fördervereins zum Gedenken an Nazi-Verbrechen um und auf dem Tempelhofer Flugfeld e.V.

Oliver Gaida, Historiker, Doktorand an der Humboldt-Universität zu Berlin, Forschungsthemen: u.a. Geschichte der Fürsorge und des Wohlfahrtsstaats sowie der NS-Verfolgung sog. „Asozialer“

Thomas Irmer, Historiker und Kurator, Diplom-Politologe, Arbeits- und Forschungsthemen: u.a. Wirtschafts- und Sozialgeschichte – insbesondere die Geschichte der NS-Zwangsarbeit, totaler Institutionen und der Elektroindustrie

Sonnabend, den 5. November 2016 um 17.00 Uhr

in der Alte Zollgarage im Flughafen Tempelhof (Columbiadamm 10, 10965 Berlin)

Alte Zollgarage im Flughafen Tempelhof
Columbiadamm 10
10965 Berlin
 

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