Martin Schulz Kundgebung in Berlin

Martin Schulz Kundgebung in Berlin "Wir wollen das Land besser machen"

© Hans Kegel

 

Zum 40. Mal bahnt sich der Kanzlerkandidat den Weg hin zur Bühne, zum 40. Mal schüttelt er Hände, macht Selfies und zum 40. Mal betritt er das Rednerpult, diesmal umringt von den SPD-BundesministerInnen und MinisterpräsidentInnen. In Berlin ist der Gendarmenmarkt gut gefüllt. Gerade hatte die 95-jährige deutsch-israelische Journalistin und Sozialdemokratin Inge Deutschkron auf der Bühne einen bewegenden Auftritt. Die Holocaust-Überlebende sagte, es sei ein fürchterlicher Irrglaube, den Populisten zu folgen. „Die Demokratie ist die Basis für unser Leben“.

Knapp 40 Minuten redet Martin Schulz über seine Vision eines besseren Deutschlands. Gleich zu Beginn findet er deutliche Worte zur AfD. „Wenn die AfD in den Bundestag kommt, dann zieht dort zum ersten Mal seit 1945 wieder die Sprache der Totengräber der Demokratie ein. Er sei Vorsitzender einer Partei, die sich gegen den Führer gestellt und im Reichstag als einzige Partei gegen das Ermächtigungsgesetz gestimmt habe. „Wir werden die Demokratie in Deutschland verteidigen“, sagt Schulz unter viel Beifall.

An die Adresse der Bundeskanzlerin gerichtet, sagt Schulz, es gehe darum zu verhindern, dass das Land eine Regierung der sozialen Kälte bekomme, eine Regierung, denen die Menschen egal ist. „Deutschland braucht einen Bundeskanzler, der den Mut hat, die Zukunft des Landes zu gestalten.“

Deshalb stehe die SPD für die Rente mit 67 und ein stabiles Rentenniveau ebenso wie für eine gebührenfreie Bildung von der Kita bis zur Hochschule. „Diejenigen, die die nächste Generation erziehen, sollten dem Staat kein Geld für die Betreuung ihrer Kinder zahlen müssen.“ Es mache ihn furchtbar wütend, wenn er von der Gegenseite höre, dass diese sozialen Wohltaten die Wettbewerbsfähigkeit des Landes gefährden würden. Die Wahrheit sei: Betrügerische Manager gefährden eben diese Wettbewerbsfähigkeit, weil sie das Qualitätssiegel „Made in Germany“ massiv beschädigt haben.

Ein Thema, das Martin Schulz sehr am Herzen liegt, ist die Pflege. Viele Bürgergespräche und Vor-Ort-Termine hätten ihn den Pflegenotstand in Deutschland vor Augen geführt. Schulz betont deshalb: „Wir brauchen einen Neustart in der Pflege mit mehr Personal und einer besseren Bezahlung der Beschäftigten.“

Er wolle zurück zu einer Gesellschaft, in der jeder Mensch den gleichen Respekt erfährt. "Es muss Schluss sein mit der Schlaftablettenpolitik von Angela Merkel."

Zuvor hat der Regierende Bürgermeister und Berliner SPD-Landesvorsitzende Michael Müller nochmal an die Erfolge der SPD in der Regierung erinnert. Allem voran der Mindestlohn, „der Jahrzehnte lang eben keine Selbstverständlichkeit war“, so Müller. Doch es gebe noch viel zu tun. Als Beispiel nannte Müller die Herstellung der Lohngerechtigkeit zwischen Männern und Frauen. Müllers Appell lautet deshalb: „Runter vom Sofa und nicht nur meckern“.

 

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